Archiv der Kategorie: Wissensgeschichte

tmah026 Die Welt nachschlagen

Im 13. Jh. verfasst al-Qazwini eine Enzyklopädie über die irdischen und himmlischen Sphären, die reich bebildert ist. Dieses Nachschlagewerk erfreut sich nicht nur zu seinen Lebzeiten großer Beliebtheit, sondern wird über viele Jahrhunderte hinweg kopiert und übersetzt.

An welche Tradition schloss al-Qazwini an und was machte sein Werk so besonders? Einblicke in die Welt der sogenannten Kosmographie gibt uns Prof. Dr. Syrinx von Hees, die Professorin für Arabische Literatur und Rhetorik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist (Institutswebseite).

Ab min. 00:57:36 sprechen wir über das älteste Manuskript von al-Qazwinis Werk an der Bayerischen Staatsbibliothek in München, das hier voll verfügbar ist.

Ab min. 01:00:25 sprechen wir über Darstellungen von Sternbildern bei al-Qazwini: hier im Münchener Manuskript und hier in einem anderen Werk, das in tmah021 erwähnt wurde (dort ab min. ab 00:28:40).

Literaturtipps:

Berlekamp, Persis (2011): Wonder, Image, and Cosmos in Medieval Islam. New Haven.

Hees, Syrinx von (2002): Enzyklopädie als Spiegel des Weltbildes. Qazwīnīs Wunder der Schöpfung – eine Naturkunde des 13. Jahrhunderts. Wiesbaden.

tmah024 Aufklärung transregional

Die Ideen der Aufklärung zirkulierten über viele Grenzen hinweg, auch in der islamischen Welt. Am Beispiel des iranischen Intellektuellen Mirza Agha Khan Kermani (19. Jh.) schauen wir uns an, was diskutiert wurde und wer an diesem transregionalen Diskurs teilnahm.
Einblicke in den Aufklärungsdiskurs und die Welt von Kermani gibt uns Dr. Roman Seidel, der Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin ist (Institutswebseite).

Lesetipps:

Kermānī, Mīrzā Āqā Khān (2017): Inschallah, Maschallah [So Gott will, es ist Gott
gewollt]. Übersetzt von Mahdi Rezaei-Tazik und Michael Mäder. In: von Kügelgen, Anke (Hg.): Wissenschaft, Philosophie und Religion. Religionskritische Positionen, S. 208-228.

Pistor-Hatam, Anja (1999): Nachrichtenblatt, Informationsbörse und
Diskussionsforum: Aḫtar-e Estānbūl (1876-1896). Anstöße zur frühen
persischen Moderne. Münster.

Seidel, Roman (2019): The Reception of European Philosophy in Qajar Iran. In:
Pourjavady, Reza (Hg.): Philosophy in Qajar Iran. Leiden, S. 313–371.

Seidel, Roman (2017): Philosophie im Iran im 19./20. Jahrhundert. In: Paul, Ludwig (Hg.): Handbuch der Iranistik . Bd. 2. Wiesbaden, S. 484-493.

Seidel, Roman (2016): Nahöstliche Philosophie transregional. Eine
ideengeschichtlich informierte Komparatistik. In Moser, Kata und Seidel, Roman (Hsg.): SGMOIK-Bulletin “Philosophie”, Frühjahr, S. 15-20.

Seidel, Roman (2016): Early Translations of Modern European Philosophy. On the
Significance of an under-researched Phenomenon for the Study of Modern
Iranian Intellectual History. In Ansari, Ali (Hg.): Iran’s Constitutional
Revolution and Narratives of the Enlightenment. London, S. 200-222.

tmah023 Lehren und Lernen (8.-15. Jh.)

Wissen und Wissenschaft spielten eine wichtige Rolle in der islamischen Geschichte. Daher schauen wir uns an, was gelehrt wurde, wo und wie sich Autoren gute Lehre vorstellten.
Einblicke in die Institutionen und Praktiken von Bildung gibt uns Prof. Dr. Sebastian Günther, der Direktor des Seminars für Arabistik und Islamwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen ist (Institutswebseite).

(Thematisch ergänzt sich die Folge wunderbar mit tmah008 Buchkultur und Wissensvermittlung)

Literaturtipps:

Biesterfeldt, Hinrich (2003): Hellenistische Wissenschaften und Arabisch-Islamische Kultur. In Dummer, Jürgen und Vielberg Meinolf (Hrsg.): Leitbild Wissenschaft? Stuttgart, S. 9–37.

Günther, Sebastian (2018): „Nur Wissen, das durch Lehre lebendig wird, sichert den Eingang ins Paradies.“ Die Madrasa als höhere Bildungseinrichtung im mittelalterlichen Islam. In:  Gemeinhardt, Peter et al. (Hrsg.): Das Paradies ist ein Hörsaal für die Seelen. Religiöse Bildung in historischer Perspektive. Tübingen, S. 237-270.

Günther, Sebastian (2017): „Eine Erkenntnis, durch die keine Gewissheit entsteht, ist keine sichere Erkenntnis.“ Arabische Schriften zur klassischen islamischen Pädagogik. In: Sarıkaya, Yaşar und Bäumer, Franz-Josef (Hrsg.): Aufbruch zu neuen Ufern. Aufgaben, Problemlagen und Profile einer Islamischen Religionspädagogik im europäischen Kontext. Münster, S. 69-92.

Günther, Sebastian (2016): Bildung und Ethik im Islam. In: Bunner, Rainer (Hg.): Islam. Einheit und Vielfalt einer Weltreligion. Stuttgart, S. 210-236.

Hirschler, Konrad (2012): The Written Word in the Medieval Arabic Lands. A Social and Cultural History of Reading Practices. Edinburgh.

Young, M.J.L. et al. (Hrsg.) (2014): Religion, Learning and Science in the ʿAbbasid Period. Cambridge.

Links:
Vortrag von Sebastian Günther auf Youtube: „Die Madrasa als Bildungseinrichtung im mittelalterlichen Islam
Artikel von Sebastian Günther zu Ibn Tufayls Geschichte über Hayy, der auf einer einsamen Insel aufwächst und zu Gott findet: Ibn Tufayl on Learning and Spirituality without Prophets and Scriptures. A Glimpse of the Mystery of Mysteries

tmah020 Stadtgeschichte aus Biographien

Um Damaskus als Zentrum der Gelehrsamkeit hervorzuheben, präsentierte Ibn Asakir (gest. 1176) Biographien bedeutender Persönlichkeiten in seiner “Geschichte von Damaskus”. Als biographisches Lexikon ist sein Werk nicht nur ein wichtiges Nachschlagewerk, sondern vor allem ein Spiegel seiner Zeit und seiner Perspektive auf die Stadt.
Warum und für wen Ibn Asakir sein Werk verfasste und wie es sich ins Genre der biographischen Lexika einreiht, erklärt uns Dr. Paula Manstetten, die Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ist (https://www.uni-bamberg.de/hist-ng/personen/dr-paula-manstetten/).

Link und Literaturtipps:

Voll durchsuchbare Texte diverser arabischer Werke findet ihr auf: http://shamela.ws/

Antrim, Zayde (2006): Ibn ʿAsakir’s Representations of Syria and Damascus in the Introduction to the ‘Taʾrikh Madinat Dimashq. International Journal of Middle East Studies 38, 1, S. 109–29.

Auchterlonie, Paul (2004): Historians and the Arabic Biographical Dictionary: Some New Approaches. In: Hoyland, Robert und Kennedy, Philip (Hgs.): Islamic Reflections, Arabic Musings: Studies in Honour of Professor Alan Jones, S. 186-200.

Hirschler, Konrad (2012): The Written Word in the Medieval Arabic Lands. A Social and Cultural History of Reading Practices.

Lindsay, James (1994): Professors, prophets, and politicians : ʿAli Ibn ʿAsakir’s ‘Ta’rikh madinat dimashq. Dissertation an der University of Wisconsin.

Lindsay, James (2001) (Hg.): Ibn ʻAsākir and Early Islamic History.

Al-Qadi, Wadad (2006): Biographical Dictionaries as the Scholars’ Alternative History of the Muslim Community. In: Atiyeh, George (Hg.): Organizing Knowledge. Encyclopædic Activities in the Pre-Eighteenth Century Islamic World, S. 23–75.

Winet, Monika( 2017): Female Presence in Biographical Dictionaries: Ibn ʿAsākir’s Selection Criteria for Women in His Taʾrīkh Madīnat Dimashq. In:  Judd, Steven und Scheiner, Jens (hrsg.): New Perspectives on Ibn ʿAsākir in Islamic Historiography, S. 93-138.


tmah013 Notizbuch eines Webers

Seit über 100 Jahren schlummerte in der Forschungsbibliothek Gotha ein Schatz: das Notizbuch des Webers Kamal ad-Din aus Aleppo, der im 16. Jh. seine Begegnungen mit Offizieren, Händlern und Bekannten anderer Religionen aufschrieb. Somit gibt er uns einzigartige Einblicke in den Alltag im osmanischen Syrien, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen.
Unabhängig voneinander haben Prof. Kristina Richardson (City University of New York, http://qcpages.qc.cuny.edu/~krichardson/Welcome.html) und Dr. Boris Liebrenz (FU Berlin, http://fu-berlin.academia.edu/BorisLiebrenz) dieses Notizbuch vor einigen Jahren entdeckt und werden es demnächst als Edition (gedrucktes Buch mit wissenschaftlichen Studien) veröffentlichen. Als exklusive Sneak-Preview spreche ich in dieser Episode mit Boris über die Geschichte dieses (bislang) einzigartigen Notizbuches, seine Inhalte und seine Bedeutung für die historische Forschung.

Sobald die Edition erscheint, wird sie hier verlinkt.

Lesetipps zur Vertiefung:

Liebrenz, Boris (2016): Die Rifāʿīya aus Damaskus. Eine Privatbibliothek im osmanischen Syrien und ihr kulturelles Umfeld. Leiden.

Makdisi, George (1956): Autograph Diary of an Eleventh-Century Historian of Baghdad, I-V. Bulletin of th School of Oriental and African Studies 18, S. 9-31 und 239-260.

Makdisi, George (1986): The Diary in Islamic Historiography. Some Notes. History and Theory 25, S. 173-185.

Richardson, Kristina (2012): Difference and Disability in the Medieval Islamic World. Blighted Bodies. Edinburgh.

Sajdi, Dana (2013): The Barber of Damascus: Nouveau Literacy in the 18th-Century Ottoman Levant. Stanford.

 

tmah008 Buchkultur und Wissensvermittlung

Im 13. Jh. gehörten Syrien und Ägypten zu den belesensten Gesellschaften weltweit. Bücher (vor-)lesen, schreiben und verbreiten waren ganz wichtige Bestandteile des Alltags für Herrscher, Schüler, Gelehrte und auch Abd al-Karim, den Bäcker.
Wie wir uns Autoren, Lesepraktiken, Bibliotheken und Wissenstransfer in diesen Gebieten zwischen dem 11. und 16. Jh. vorstellen können, erklärt uns Prof. Dr. Konrad Hirschler vom Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin.

Lesetipps zur Vertiefung, alles von Prof. Hirschler (Englisch):

Medieval Damascus: Plurality and Diversity in an Arabic Library – The Ashrafīya Library Catalogue, Edinburgh (Edinburgh University Press) 2016. ISBN 9781474408776.

The Written Word in the Medieval Arabic Lands: A Social and Cultural
History of Reading Practices
, Edinburgh (Edinburgh University Press) 2012. ISBN 978-0-748-64256-4.

Medieval Arabic Historiography: Authors as Actors, London (RoutledgeCurzon) 2006. ISBN 978-0-415-38377-6.